2020 – INTERVENTION – Nur keine Angst! Zivile Unerschrockenheit in Zeiten von Hass und Hetze

Aktuelle Information zur Intervention 2020

VERANSTALTUNG ENTFÄLLT!

Aufgrund der aktuellen Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich der Verbreitung des Covid-19-Virus muss die geplante Intervention der Römerberggespräche „Nur keine Angst! Zivile Unerschrockenheit in Zeiten von Hass und Hetze“ am 21. März 2020 im Chagallsaal des Schauspiel leider entfallen.

Wir bitten um Ihr Verständnis.

 

 

INTERVENTION 2020

 

Nur keine Angst!

Zivile Unerschrockenheit in Zeiten von Hass und Hetze

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EINE INTERVENTION DER RÖMERBERGGESPRÄCHE

Hassreden, Todesandrohungen bis hin zum tatsächlichen Mord – wer sich hierzulande öffentlich äußert, künstlerisch betätigt oder politisch engagiert, kann sich offenbar nicht mehr sicher fühlen. Hetze und Gewalt scheint für einen Teil unserer Gesellschaft ein legitimes Mittel, fundamentalen Widerspruch und politische Gegnerschaft auszudrücken. Die Täter sind vermutlich eine Minderheit, aber sie sind sehr sichtbar, und sie erzeugen eine um sich greifende Angst.

Beschädigt werden damit nicht nur Individuen, sondern die Gemeinschaft. Sie erfährt Hass als normale Haltung, und Gewaltandrohung wird zur Lappalie. Vertrauen als Grundlage einer konstruktiven öffentlichen Diskussion geht verloren. Vermag eine zu allem entschlossene Minderheit die Mehrheit nachhaltig einzuschüchtern?

Das Risiko für eine demokratische Kultur ist dabei erheblich, gerade weil das Aushandeln politischer Interessen ein ebenso wichtiger wie empfindlicher Prozess ist. Die Römerberggespräche fragen zu Beginn der neuen Zwanzigerjahre, wie sich Gesellschaften gegen solche Einschüchterungsversuche wehren können? Wie ist Zivilität der Mitte durchzuhalten, wo jederzeit extremistische Tabubrüche drohen und manche politische Gewaltrhetorik national wie international in die Tat kippt?

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EINTRITT FREI
SAMSTAG, 21. März 2020
IM SCHAUSPIEL FRANKFURT
Moderation: HADIJA HARUNA-OELKER und ALF MENTZER

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Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt.
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PROGRAMM

10.00 Uhr Begrüßung Ina Hartwig

Dezernentin für Kultur und Wissenschaft

10.15 Uhr Klaus Günther

„Wandle nur wehrlos fort durchs Leben, und fürchte nichts!“ – Angst und Vertrauen im demokratischen Rechtsstaat

11.00 Uhr Ruth Wodak

Zurück zu ‚1984‘? – Umgang mit neuen/alten Verschwörungstheorien

12.00 Uhr Matthias C. Kettemann

Regeln für 2,7 Milliarden – Wie private Kommunikationsordnungen die Demokratie herausfordern

12.30 Uhr Hasnain Kazim

Worte, Hass und seine Folgen – Vom Umgang mit Pöblern und Populisten

13.15 Uhr Mittagspause

 

14:00 Uhr Jan-Werner Müller

Furcht und Freiheit – Über Identitätspolitik heute

15.00 Uhr Wir sind DIE VIELEN

Kulturinstitutionen und ihr Umgang mit antidemokratischen Strömungen
Eine Diskussion mit Amelie Deuflhard, Burkhard C. Kosminski und Steffen Mensching

16:00 Uhr Kübra Gümüsay

Zweifeln, Zögern & Zukunft – Wie freies Sprechen möglich wird

17:00 Uhr Carsten Brosda

Die Kunst der Demokratie – Die Bedeutung der Kultur für eine offene Gesellschaft

ENDE GEGEN 18:00 UHR

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REFERENTEN

Dr. Carsten Brosda

Jahrgang 1974, ist Senator für Kultur und Medien in Hamburg sowie Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie und Co-Vorsitzender der Medien- und Netzpolitischen Kommission des SPD-Parteivorstandes. Nach einem Studium der Journalistik und Politikwissenschaft wurde er mit einer Arbeit über „Diskursiven Journalismus“ promoviert. Er war u.a. Leiter der Abteilung Kommunikation des SPD-Parteivorstands und arbeitet seit 2011 in Hamburg, zunächst als Leiter des Amtes Medien, ab 2016 als Staatsrat für Kultur, Medien und Digitalisierung und seit Februar 2017 als Senator. 2019 erschien sein Buch „Die Zerstörung. Warum wir für den gesellschaftlichen Zusammenhalt streiten müssen“. 2020 erschien „Die Kunst der Demokratie. Die Bedeutung der Kultur für eine offene Gesellschaft“. Beide Bücher sind bei Hoffmann und Campe erschienen.

Amelie Deuflhard

war von 2000 bis 2007 Künstlerische Leiterin der Sophiensæle (Berlin). 2004/05 war sie Teil der Künstlerischen Leitung von „Volkspalast“, einer festivalartigen Bespielung des dekonstruierten Palastes der Republik. Seit 2007 ist sie Intendantin von Kampnagel (Hamburg), Europas größtem Produktionszentrum für die Freien Darstellenden Künste. Mit EcoFavela Lampedusa Nord initiierte sie 2014 einen Lebens- und Aktionsraum für Geflüchtete. Das Projekt hat auf Kampnagel seine Verlängerung in dem preisgekrönten Begegnungsort Migrantpolitan gefunden. Amelie Deuflhard war Teil des Viererkuratoriums von Theater der Welt 2017. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen und hat regelmäßig Lehraufträge an Hochschulen inne. Für ihr Schaffen wurde sie 2012 mit dem Caroline-Neuber Preis und 2013 mit den Insignien des Chevaliers des Arts et Lettres ausgezeichnet. 2018 erhielt sie die Auszeichnung Europäische Kulturmanagerin des Jahres.

Kübra Gümüşay

Autorin und Rednerin, schreibt und referiert zu den Themen Internet, Politik, Feminismus und Rassismus. Ihr Buch „Sprache & Sein“ ist im Frühjahr 2020 bei Hanser Berlin erschienen. Sie ist Co-Gründerin von eeden, einem feministischen co-creation space in Hamburg, sowie zahlreicher Kampagnen und Vereine – u.a. die Antirassismus-Kampagne #SchauHin, das feministische Bündnis #ausnahmslos und die Kampagne „Organisierte Liebe“. Sie ist Fellow des Progressiven Zentrums und Associate Expert am Center for Intersectional Justice. Ihr Blog ein-fremdwoerterbuch.com wurde 2011 für den Grimme Online Award nominiert. Das Magazin Forbes zählte sie 2018 zu den Top 30 unter 30 in Europa im Bereich Media und Marketing.

Klaus Günther

lehrt und forscht seit 1998 als Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, seit 2019 Dekan. Er ist Vorsitzender der deutschen Sektion der Internationalen Vereinigung für Rechts- und Sozialphilosophie (IVR), Mitglied des Kollegiums am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main sowie Distinguished Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg v.d.H. 2007-2019 war er Co-Sprecher des Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen. Zahlreiche internationale Gastprofessuren, Prof. h.c. Universidad del Rosario, Bogotà. Veröffentlichungen u.a.: Der Sinn für Angemessenheit – Anwendungsdiskurse in Moral und Recht, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1988; Schuld und kommunikative Freiheit. Studien zur individuellen Zurechnung strafbaren Unrechts im demokratischen Rechtsstaat, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann Verlag 2005.

Hadija Haruna-Oelker

Politikwissenschaftlerin (*1980) lebt und arbeitet als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunk – unter anderem für die Sendung „Der Tag“ (hr2 Kultur). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Jugend und Soziales, Migration und Rassismusforschung. Sie ist unter anderem Preisträgerin des ARD-Hörfunkpreises Kurt Magnus 2015. Mehr zu ihrer Person: www.hadija-haruna.de

Hasnain Kazim

lebt und arbeitet als freier Autor in Wien. Er ist gebürtiger Oldenburger und Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer. Er wuchs im Alten Land, vor den Toren Hamburgs, und in Karatschi in Pakistan auf, studierte Politikwissenschaften und schlug eine Laufbahn als Marineoffizier ein. Er liebt Grünkohl und Curry, aber nicht zusammen. Das journalistische Handwerk lernte er im Schwäbischen, bei der „Heilbronner Stimme“, schrieb unter anderem für das dpa-Südasienbüro in Delhi und von 2004 bis 2019 für den SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE, die meiste Zeit davon als Auslandskorrespondent in Islamabad, Istanbul und Wien. Für seine Arbeit wurde er mit diversen Preisen ausgezeichnet, darunter dem „CNN Journalist Award“. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „Grünkohl und Curry“, „Plötzlich Pakistan“ und „Krisenstaat Türkei“. „Post von Karlheinz“ (2018), das seine Dialoge mit wütenden Lesern versammelt, stand viele Wochen auf der Bestsellerliste. Sein jüngstes Werk, „Auf sie mit Gebrüll!“ über den Umgang mit Pöblern und Populisten erschien im Februar 2020.

Matthias C. Kettemann

ist Privatdozent für Völkerrecht, Internetrecht, Rechtstheorie am Institut für Öffentliches Recht der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Forschungsprogrammleiter am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) und Projektleiter am Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin. Nach Studien der Rechtswissenschaften in Graz, Genf und als Fulbright-Stipendiat an der Harvard Law School promovierte er in Graz und erhielt 2019 nach fünf Jahren am Exzellenzcluster “Die Herausbildung normativer Ordnungen” Deutschlands erste Lehrbefugnis für Internetrecht. Er war Sachverständiger im Rechtsausschuss des Bundestags und als Berater für Meinungsäußerungs-Governance und Cybersecurity schon für den Europarat, die Europäische Grundrechteagentur, Stiftungen und Unternehmen tätig. Aktuell untersucht er den Einfluss privater Regelbildung auf die öffentliche Kommunikation. Als weltweit erster Forscher führte er regulierungstheoretisch-betriebsethnografische Studien in der Unternehmenszentrale von Facebook durch. In einem seiner letzten Projekt widmete er sich dem Entzaubern von Internetmythen: http://www.internetmythen.de.

Burkhard C. Kosminski

studierte Schauspiel und Regie in New York. Von 2001 bis 2006 war er leitender Regisseur und Mitglied der künstlerischen Leitung am Düsseldorfer Schauspielhaus. 2006 wechselte er ans Nationaltheater Mannheim, zunächst als Schauspieldirektor und von 2013 bis 2018 als Schauspielintendant. Dort war er auch künstlerischer Leiter der zweijährig stattfindenden Internationalen Schillertage und 2014 gemeinsam mit Matthias Lilienthal Festivalintendant von Theater der Welt. Weitere Regiearbeiten führten ihn u. a. an die Berliner Schaubühne, das Staatstheater Dresden und das Schauspiel Frankfurt. Seit der Spielzeit 2018/2019 ist er Intendant des Schauspiels Stuttgart.

Steffen Mensching

geboren am 27. Dezember 1958 in Berlin (Ost). Schulbesuch. Abitur. Journalistikstudium (Abbruch nach 2 Monaten). Arbeit als Redakteur einer Literaturzeitschrift. Erste Gedichtpublikation 1979, 1982 Studium der Kulturwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität. Arbeit als Autor und Schauspieler einer freien Theatergruppe. Von 1983 bis 1999 Arbeit im Clowns-Duo zusammen mit Hans-Eckardt Wenzel. Bis 2008 freiberuflich tätig als Schriftsteller, Sänger, Schauspieler und Regisseur. Seit August 2008 Intendant am Theater Rudolstadt in Thüringen. 1984 Debütpreis des Schriftstellerverbands der DDR, 1990 Heinrich-Heine-Preis. 2019 Erich-Fried-Preis, 2020 Preis der Uwe-Johnson-Gesellschaft Rostock. Publikationen: Poesiealbum 146, 1979; Erinnerung an eine Milchglasscheibe, Gedichte, 1984; Tuchfühlung, Ged., 1986; Pygmalion, Roman, 1991; Letztes aus der Da Da eR (Film, mit H.-E. Wenzel), 1990; Allerletztes aus der Da Da eR / Hundekomödie (mit H.-E. Wenzel), Textbücher, 1991; Der Abschied der Matrosen vom Kommunismus (mit H.-E. Wenzel), CD, 1993; Der Struwwelpeter neu erzählt, 1994; Das Ballhaus, Stück, 1994; Berliner Elegien; Quijotes letzter Auszug. Ein Monolog nach Cervantes, 2001; Jacobs Leiter, Roman, 2003; Lustigs Flucht, Roman, 2005; Das gewisse Etwas, 2009. – Hg.: Rudolf Leonhard: In derselben Nacht. Das Traumbuch des Exils, 2001; Schermanns Augen, Roman, 2018.

Alf Mentzer

Jahrgang 1966, Literaturwissenschaftler, leitet das Ressort hr2-Tagesprogramm im Hessischen Rundfunk.

Ruth Wodak

em. Distinguished Professor of Discourse Studies (Diskursforschung), Lancaster University (UK) und o. Univ. Professorin i.R. für Angewandte Linguistik, Universität Wien. 1974 subauspiciis an der Universität Wien promoviert, 1980 habilitiert, und 1991 als ordentliche Professorin an die Universität Wien berufen. 2004 personal chair als distinguished professor an der Lancaster University. Abgesehen von einer Vielzahl von Preisen erhielt sie 1996 den Wittgenstein Preis für Elite WissenschaftlerInnen. 2010 wurde ihr ein Ehrendoktorat der University Örebro, Schweden verliehen. 2009-2011 war sie Präsidentin der Societas Linguistica Europaea, 2011 wurde ihr das Große Silberne Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. 2018 erhielt sie den Lebenswerk Preis des Frauenministeriums. Sie ist Mitglied der Academia Europaea und der British Academy of Social Sciences. Sie hatte zahlreiche Gastprofessuren inne, darunter 1992/3 Austrian Chair, Stanford University, 2003/4 Leverhulme Visiting Professorship an der University of East Anglia, Norwich UK; 2008 den Kerstin Hesselgren Visiting Chair of the Swedish Parliament, Örebro University, 2014 Royden J. Davis Chair for Interdisciplinary Studies, Georgetown University, Washington DC, 2016 war sie Distinguished Schuman-Fellow am European University Institute, und 2017 wurde sie als Willy Brandt Chair an die University Malmö (für eine ein-jährige Gastprofessur) berufen. 9/2018-6/2019 war sie senior visiting fellow am IWM (Wien). Forschungstätigkeit in folgenden Gebieten: kritische Diskursforschung, Sprache und Politik (Populismusforschung), Identitäts- und Vergangenheitspolitik, Gender Studies, Migrationsforschung, und linguistische Vorurteilsforschung zu Rassismus und Antisemitismus. Zahlreiche Publikationen (10 Monographien; über 80 (mit)herausgegebene Bücher und special issues; über 400 Aufsätze und Buchkapitel) in all diesen Gebieten, die u.a. ins Englische, Französische, Italienische, Polnische, Spanische, Portugiesische, Hebräische, Russische, Koreanische, Japanische, Arabische, Griechische und ins Chinesische übersetzt wurden. Rezente Buchpublikationen: Sociolinguistic Perspectives on Migration Control (mit M. Rheindorf), Multilingual Matters 2020; Europe at the Crossroads. (mit P. Bevelander), Nordicum 2019; Kinder der Rückkehr. Geschichte einer marginaliserten Jugend (mit E. Berger), Springer 2018; Handbook of Language and Politics (mit B. Forchtner), Routledge 2018; Politik mit der Angst. Zur Wirkung rechtspopulistischer Diskurse, Konturen 2016 (2017 als Wissenschaftsbuch des Jahres in der Sparte Sozialwissenschaften ausgezeichnet).