2017 45. Römerberggespräche – Was soll das Theater? Die Zukunft der Städtischen Bühnen

 

45. Römerberggespräche

 

Was soll das Theater?

 

Die Zukunft der Städtischen Bühnen

 

Mitten in der Innenstadt, gegenüber verspiegelten Bankenfassaden, stehen Frankfurts Städtische Bühnen. Mehr als 50 Jahre waren sie Schauplatz zahlloser Inszenierungen und erlebten denkwürdige Auseinandersetzungen. Nun ist das Bauwerk, die „Theaterdoppelanlage“ am Ende, der Betrieb nur noch geduldet: den Städtischen Bühnen läuft die Zeit davon. Wie soll es mit ihnen weitergehen?

Neubau oder Sanierung? Von dem Tag an, an dem die möglichen Kosten bekannt wurden, sind die Debatten leidenschaftlich und kontrovers geführt worden. Zugleich wurde nicht nur die Frage nach dem Standort am Willy-Brandt-Platz gestellt, sondern auch nach der gesellschaftlichen Position des Theaters. Welche Aufgaben sollen Schauspiel und Oper in Zukunft haben? Hat sich das Theater als „moralische Anstalt“ überlebt? Welcher Aufwand lässt sich überhaupt rechtfertigen, wenn die klamme öffentliche Hand dafür finanziell einstehen muss? Sind uns Schauspiel und Oper jeden Aufwand wert, oder müssen wir Theater heute und in Zukunft ganz anders denken?

Bis die politische Entscheidung gefallen sein wird, ist eine Selbstverständigung der Frankfurter Stadtgesellschaft nötig. Frankfurt wird Verantwortung übernehmen müssen. Denn die Stadt sollte sich nicht zuletzt darüber im Klaren sein, dass sie eine exemplarische Diskussion über die Bedeutung des öffentlich subventionierten Theaters führen wird, die weit über die Rhein-Main-Region hinaus wirken dürfte.

Die Römerberggespräche möchten in der Diskussion erkunden, welche Gestaltungschancen derzeit bestehen.

Die Aufzeichnung wird am 4.11. ab 18 Uhr 4 in hr2-kultur gesendet!
> Link zum Programmbeitrag des hr2-kultur

> Original-Vortrag von Necati Öziri auf Nachkritik.de.

 

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EINTRITT FREI
SAMSTAG, 21. Oktober 2017
IM SCHAUSPIEL FRANKFURT
MODERATION  Insa Wilke & Alf Mentzer

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PROGRAMM

10:00 Uhr   Begrüßung

10.15 Uhr   Erika Fischer-Lichte

Wackre neue Welt, die solche Bürger trägt! – Was für ein Theater braucht die Stadt?

11:15 Uhr   Peter Iden

„What now, my love?“

Das Theater der Städtischen Bühnen zwischen gestern und morgen

12:15 Uhr   Dirk Pilz

Kein Ende der Kritik

Theater und Theaterkritik unter den Bedingungen des Medienwandels

13:00 Uhr   Mittagspause

14:15 Uhr   Das Theater, die Stadt, die Zukunft –
Wie lässt sich der Willy-Brandt-Platz wiederbeleben?

Peter Böhm und Ernst Ulrich Scheffler im Gespräch

15:30 Uhr   Welches Theater hätten‘s denn gerne? –
Die Zukunft der städtischen Bühnen aus Sicht der Praktiker

Yvonne Büdenhölzer, Bernd Loebe und Anselm Weber im Gespräch

17:00 Uhr   Necati Öziri

Welche Welt bedeuten diese Bretter? – Das Theater als zeitgenössisches Medium gesellschaftlicher Repräsentation

 

ENDE GEGEN 18:00 UHR  |  EINTRITT FREI

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REFERENTEN

PETER BÖHM / YVONNE BÜDENHÖLZER / ERIKA FISCHER-LICHTE / PETER IDEN / BERND LOEBE / ALF MENTZER / NECATI ÖZIRI / DIRK PILZ / ERNST ULRICH SCHEFFLER / ANSELM WEBER / INSA WILKE

 

Peter Böhm

Prof. Peter Böhm wurde 1954 in Köln geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Universität Berlin und arbeitete im Anschluss im Büro Kallmann McKinnell & Wood Architects in Boston, USA. 1987 gründete er in Köln das Architekturbüro Peter Böhm-Friedrich Steinigeweg; seit 2002 führt er sein eigenes Büro, Peter Böhm Architekten, ebenfalls in Köln. Zu der sehr weit geführten Palette verschiedener Bauaufgaben, wie Veranstaltungshallen, Hochschul- und Kulturbauten, Rathäuser, Wohnbauten und Büros gehört auch die Umnutzung alter Bausubstanzen. Zahlreiche Gastvorträge, Seminare (u. a. in Parma und Mailand sowie an der Universidad de Navarra-Pamplona) und Ausstellungen begleiten seine Arbeit als Architekt. Darunter auch die wiederholte Teilnahme an der Architekturbiennale in Venedig: 1992 unter dem Thema „Modernity and the sacred space“, 2001 unter dem Thema „more ethics less aesthetics“ und 2010 Mitwirkung an der Ausstellung im Deutschen Pavillon Venedig. Seit 2015 lehrt er als Professor mit dem Lehrgebiet „Bauen und Gestalten mit massiven Baustoffen (Ziegelstoffe und Beton)“ an der Hochschule Trier.
Seine Bauten, wie die Lanxess-Arena in Köln, die Hochschule für Fernsehen und Film München und das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst München, erlangten internationales Ansehen.

 

Yvonne Büdenhölzer

1977 bei Köln geboren, ist seit 2012 Leiterin des Theatertreffens (Berliner Festspiele). Sie studierte Germanistik und Pädagogik in Bonn und arbeitete als Dramaturgin und Kuratorin an verschiedenen Theatern und in der Freien Szene. Von 2005 bis 2011 war Yvonne Büdenhölzer Künstlerische Leiterin des Stückemarktes beim Theatertreffen der Berliner Festspiele. In der Spielzeit 2009/10 war sie Kuratorin (gemeinsam mit Tankred Dorst, Ursula Ehler und Manfred Beilharz) und Festivalmanagerin der Theaterbiennale Neue Stücke aus Europa in Wiesbaden und Mainz. 2005 -2015 unterrichtete sie als Lehrbeauftragte im Studiengang Angewandten Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Von 2012-2015 war sie Mitglied im Rat für die Künste.

 

Erika Fischer-Lichte

Prof. Dr. Dr. h. c. Erika Fischer-Lichte ist seit 1996 Universitätsprofessorin für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin, ist Direktorin des Internationalen Forschungskollegs “Verflechtungen von Theaterkulturen“. Ihre Arbeitsgebiete umfassen Ästhetik und Theorie des Theaters, die Europäische Theatergeschichte, Theater und Gesellschaft. Sie ist Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften, der Academia Europaea, der Berlin-Brandenburgischen Akademie und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Als Gastprofessorin lehrte sie in den USA, Russland, Japan, China, Indien, Norwegen, Schweden, Portugal, Spanien, Brasilien und auf Kuba. Zu ihren jüngsten Monographien zählen Theatre, Sacrifice, Ritual. Exploring Forms of Political Theatre (2005), Theaterwissenschaft (2010), Performativität. Eine Einführung (2012), Dionysos Resurrected. Performances of Euripides’ The Bacchae in a Globalizing World (2014), Tragedy’s Endurance. Performances of Greek Tragedies and Cultural Identity in Germany Since 1800 (2017).

 

Peter Iden

Prof. Peter Iden wurde in 1938 Meseritz/Brandenburg geboren. Stipendiat der BRD in Kalifornien, Studium Philosophie und Kunstgeschichte in Frankfurt/M und Wien. Sekretär von Erwin Piscator, Experimenta 1 – 5 (mit Karlheinz Braun), Theater-u. Kunstkritiker, Professur und Leitung der Abteilung Schauspiel Hochschule für Musik u. darstellende Kunst in Frankfurt/M, Feuilletonchef der „Frankfurter Rundschau“, Gründungsdirektor des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt/M, Vorstands-Mitglied Stiftung für Kunst u. Kultur, Bonn.

 

Bernd Loebe

Bernd Loebe studierte Jura und absolvierte parallel dazu ein privates Klavierstudium. Ab 1975 arbeitete er in den Musikredaktionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Neuen Musikzeitung und der Opernwelt. 1979 wechselte er in die Musikabteilung des Hessischen Rundfunks und übernahm dort schließlich die Opernredaktion. Im November 1990 wurde er als Künstlerischer Direktor an das Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel berufen. Seitdem ist er internationalen Gesangswettbewerben (Neue Stimmen / Bertelsmann in Gütersloh sowie in Barcelona, Busseto u.a.) als Juror verbunden. 2002 übernahm Bernd Loebe die Intendanz der Oper Frankfurt, sein Vertrag wurde zuletzt bis zum Jahr 2023 verlängert. Die Oper Frankfurt entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem der produktivsten Opernhäuser weltweit und belegte in den letzten Jahren mehrfach Spitzenplätze in den durch Opernwelt und Die Deutsche Bühne ermittelten Autorenumfragen. Von März 2009 bis 2016 hatte Bernd Loebe das Amt des Vizepräsidenten der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste inne und fungiert seit Juni 2010 als Vorsitzender der Deutschen Opernkonferenz.

Seit Beginn seiner Arbeit in Frankfurt pflegt Bernd Loebe ein festes Sängerensemble, ergänzt durch die Einbindung renommierter Künstler. In den letzten Jahren kam es zu einer kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Claus Guth, Christof Loy und Keith Warner. Zudem stehen neben Generalmusikdirektor Sebastian Weigle stets namhafte Dirigenten am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. So gilt die Oper Frankfurt als Sprungbrett für besonders talentierte Regisseure und Dirigenten sowie Sängerinnen und Sänger. Darüber hinaus hat die zeitgenössische Musik einen festen Platz im Spielplan des Hauses.

 

Alf Mentzer

Jahrgang 1966, Literaturwissenschaftler, leitet das Ressort hr2-Tagesprogramm im Hessischen Rundfunk.

 

Necati Öziri

geboren am 02.12.1988, als die Atlantis (OV-104) der NASA zur 27. Space-Shuttle-Mission startete, in Datteln – nur erreichbar von Recklinghausen HBF mit der Buslinie 232, Achtung: Fährt sonntags nur stündlich! – ist seit dem 18. Lebensjahr deutscher Staatsbürger. Er hat Philosophie, Germanistik und Neue Deutsche Literatur in Bochum, Istanbul, Olsztyn und Berlin studiert. Er war Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung, unterrichtete an der Ruhr-Universität Bochum formale Logik, ist erbitterter Feind von Kälte, Styropor, Scart-Kabeln und Biographien. Öziri gehörte von der Spielzeit 13/14 bis einschließlich zur Spielzeit 16/17 zur Dramaturgie des maxim Gorki Theater, davon zwei Jahre als künstlerischer Leiter des Studio Я. Angeblich schreibt Öziri Kurzgeschichten (Zum Beispiel: Da kommt er, In: entwürfe, Nr.71), sein Debütstück Vorhaut (rowohlt) wurde 2014 am Ballhaus Naunynstraße uraufgeführt, sein aktuelles Stück „GET DEUTSCH OR DIE TRYIN'“ (auch rowohlt) läuft in der Regie von Sebastian Nübling im Maxim Gorki Theater. Bei Wut und anderer Erregung dunkelrote Färbung der Ohren. Seit der Spielzeit ist 17/18 ist Öziri Leiter des Internationalen Formus des Theatertreffen.

 

Dirk Pilz

wurde 1972 auf dem westsächsischen Land in der DDR geboren; wuchs mit Tieren und zwei Geschwistern auf; zog 1991 nach Greifswald, um sich der evangelischen Kirchenmusik zu widmen; studierte danach Literaturwissenschaft (Germanistik), Philosophie und Psychologie in Potsdam, Berlin und Kopenhagen; promovierte 2005 mit einer Arbeit zur Ästhetiktheorie; arbeitet seit gut 20 Jahren als Journalist, war zehn Jahre Autor der NZZ und ist es heute für die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau; war Redakteur für Theater der Zeit, die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau; beschäftigt sich journalistisch vorrangig mit deutschsprachigem Sprechtheater, Literatur, Religionsfragen und Philosophie; gehört zu den Gründern des 2007 ins Leben gerufenen überregionalen Online-Theaterfeuilletons www.nachtkritik.de und ist seitdem einer seiner Redakteure; an der FU Berlin, der Universität Leipzig und der Akademie für darstellende Kunst Baden-Württemberg Ludwigsburg war er lange Jahre Lehrbeauftragter; seit Oktober 2015 hat er eine Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin und ist dort akademischer Leiter des Masterstudiengangs Kulturjournalismus; neben der Ästhetik- und Kunsttheorie widmet er sich in seiner Forschung vor allem der europäischen Religions- und Geistesgeschichte, der evangelischen Theologie und dem interreligiösen Dialog; seit 2016 gehört er zum Stiftungsrat des Berliner Bet- und Lehrhaus „House of One“.

 

Ernst Ulrich Scheffler

Jahrgang 1944, lebt in Frankfurt am Main. Architekturstudium an der Technischen Hochschule Karlsruhe und an der Architectural Association School of Architecture, London. Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes.
Mitarbeit in verschiedenen Büros. 1985 – 1991 Professur an der Fachhochschule Detmold. 1985 Gründungsmitglied von Scheffler + Warschauer Architekten, ab 2001 Scheffler + Partner Architekten BDA. 1991 Professur an der Fachhochschule Wiesbaden. Seit 2016 Partner von Menges Scheffler Architekten.
Wichtige Bauten: Liebieghaus, Museum alter Plastik, Frankfurt am Main; Deutsche Schule Budapest; Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Frankfurt am Main; Stadttheater Aschaffenburg; Sanierung Karmeliterkloster, Frankfurt am Main. Zahlreiche Wettbewerbe, Wohnungsbau.
Ausstellungen: Zeichnen auf DIN A 4 in Frankfurt am Main und Kassel.

 

Anselm Weber

ist seit der Spielzeit 2017/18 Geschäftsführender Intendant am Schauspiel Frankfurt. Nach seinem abgebrochenen Fotostudium an der Staatslehranstalt für Fotografie in München studierte er Germanistik, Philosophie und Anglistik in Berlin. Ab 1986 arbeitete er als Regieassistent an den Münchner Kammerspielen, wo er 1989 seine erste Inszenierung »Die Minderleister« von Peter Turrini im Werkraum der Münchner Kammerspiele (Regiepreis der Bayerischen Theatertage 1990) zeigte. 1992 erhielt er den Preis für Nachwuchsregie der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. 1991 eröffnete er die Intendanz von Peter Eschberg in den Frankfurter Kammerspielen mit der Inszenierung »Die Jungfrau von Orleans« von Friedrich Schiller. 1992-2000 war er Hausregisseur am Schauspielhaus Hamburg unter Frank Baumbauer, 2001-2003 Oberspielleiter am Schauspiel Frankfurt und 2005-2010 Intendant am Schauspiel Essen. Zusammen mit Roberto Ciulli, Theater an der Ruhr, leitete er 2010 als Künstlerischer Leiter das Festival Theater der Welt. 2010-2017 leitete Anselm Weber als Intendant das Schauspielhaus Bochum. Er inszenierte außerdem an den Kammerspielen und dem Residenztheater in München sowie in Wien am Burgtheater und am Volkstheater. Am Aalto-Musiktheater in Essen führte er 1999 erstmals Opernregie, weitere Operninszenierungen folgten auch an der Oper Frankfurt. Zuletzt erarbeitete er 2015 dort die Oper »Die Passagierin« von Mieczysław Weinberg.

 

Insa Wilke

ist Literaturkritikerin, Moderatorin und Publizistin. Ihre Monographie “Ist das ein Leben. Der Dichter Thomas Brasch” erschien 2010 im Verlag Matthes & Seitz. Von 2010 bis 2012 war sie Programmleiterin im Literaturhaus Köln. Als Literaturkritikerin schreibt Insa Wilke u.a. für die Süddeutsche Zeitung und den Rundfunk. Seit 2005 konzipiert und moderiert sie Kulturveranstaltungen. 2010 übernahm Insa Wilke die Programmleitung im Literaturhaus Köln und gab diese Tätigkeit zugunsten des freiberuflichen Arbeitens 2012 wieder auf. Seit Sommer 2013 gehört sie zum festen Autoren- und Moderatoren-Team von “Gutenbergs Welt” (WDR3), seit 2017 zum „lesenswert-Quartett“ im SWR-Fernsehen. Seit 2015 moderiert sie die Darmstädter Gespräche. Insa Wilke ist u.a. Mitglied der Jury für die SWR-Bestenliste. 2014 wurde sie mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet.


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